11/18/2013

Schokolade - Zeitkapsel

Der Weg war weit: vom Getränk der Götter bis zum Elixier der Monarchen und vom Glück verheißenden Massenprodukt der Wirtschaftswunderzeit bis zum heutigen Gaumenkitzel anspruchsvoller Gourmets. Schokolade fasziniert uns seit Jahrhunderten wenn nicht seit Jahrtausenden. Ihr Genuss wird (ganz besonders von uns), zelebriert wie der von edelstem Wein, und wer dazugehören will, der redet mit. Über Aromenvielfalt und Conchierzeiten, kleine Kultproduzenten und große Weltkonzerne. Genau genommen ist das Stück Schokolade dabei ein ziemlich junges Produkt. Etwas mehr als 150 Jahre ist es her, dass ein findiger Hersteller es erstmals schaffte, Kakao so zu behandeln, dass er Tafeln daraus herstellen konnte. (Davor war Schokolade ja auch in Europa ausschließlich als Getränk bekannt, und das Geheimnis ihrer Zubereitung wurde am spanischen Hof gut 100 Jahre eifersüchtig gehütet.) Der Engländer Joseph S. Fry, in dritter Generation Betreiber eines Schokoladengeschäfts in Bristol, mischte der Schokolade vermutlich als Erster Kakaobutter bei - bis dahin ein reines Abfallprodukt. So konnte er aus der entstehenden, weniger zähen Masse fortan Tafelschokoladen formen. Diese Schmackhafte Ess-Schokolade wurde erstmals 1847 in Birmingham präsentiert. Zwar war sie in ihrer Konsistenz von unseren heutigen zart schmelzenden Köstlichkeiten weit entfernt, aber Fry landete damit einen unglaublichen Hit, der bestens bei den Menschen ankam. Mit der Erfindung dieser Tafelschokolade – sowie wenig später der Milchschokolade durch den Schweizer Daniel Peter – setzte alsbald die industrielle Großproduktion ein, und das Konsumprodukt Schokolade gab´s bald überall zu kaufen. Heute verfolgen wir dagegen eine gegenläufige Entwicklung: den kulinarischen Höhenflug hochwertig hergestellter Schokoladen quasi als Alternative zum Massenmarkt der Standardschokoladen. Getragen wird die exclusive Schokowelle dabei hauptsächlich von kleineren Manufakturen - ob in Frankreich, der Schweiz, Italien oder Österrreich. Edle Feinheiten von der zarten Milchschokolade bis zu hochprozentigen Kakaoschwergewichten werden (wieder), mit viel Liebe, Aufwand und Innovationsgeist hergestellt. Genussvoll beobachtet von professionellen Testern ebenso wie privaten Genießern. die sich das große Glück stückchenweise auf der Zunge zergehen lassen. Denn Schokolade ist eine wahrhaft vielfältige Gespielin für den Gaumen. Über l000 verschiedene Aromen sagen Experten der Kakaobohne nach, 400 davon sind wissenschaftlich analysiert. Die Palette reicht von Chilinoten über Paprika bis zu Pilzen, jeglichen Nussvariationen oder Tabaknoten, von exotischen Hölzern bis zu Zitrusfrüchten, Vanille, Karamell, Waldbeeren und Rosen. Ebenso vielfältig und wandlungsfähig wie das Produkt selbst sind auch die Einsatzmöglichkeiten der Schokolade in der Küche - selbst wenn sie sich da gern mal von ihrer zickigen Seite zeigt, zu lesen in diesem Artikel. Schon allein die Geschichte macht Schokolade zu einem ganz besonderen Lebensmittel, verführt uns in eine Zeit der Götter, der Mystik und des uralten Wissens. Die frühesten Überlieferungen, die wir kennen,stammen aus der Zeit der Maya. Sie bezeichneten den Kakao als Getränk göttlichen Ursprungs. Er begleitete ein ganzes Leben, wurde sowohl beim Taufritus als auch bei Hochzeitsverhandlungen und als Grabbeigabe verwendet. Die Azteken setzten die wertvollen Bohnen später sogar als Zahlungsmittel ein. Da wie dort war Schokolade in ihrer flüssigen Ursprungsform ein kostbares Elixier, das den Reichen und Mächtigen oder zumindest besonderen Anläsen vorbehalten war. »Xocolatl« bestand aus gerösteten und gemahlenen Kakaobohnen, die mit Wasser schaumig gerührt wurden und mit Chili, Honig, Vanille - oder wie manche Quellen sagen auch mit halluzinogenen Pilzen - versetzt wurden. Bis zum letzten aztekischen König Moctezuma kredenzte man das Getränk bei Festmahlen, er selbst trank angeblich täglich bis zu 40 Becher davon. Die spanischen Eroberer schließlich brachten den Kakao nach Europa, wo er schnell - und krätig gesüßt - zum Lieblingsgetränk des Adels und der Monarchen wurde. Bis heute wird Schokolade übrigens hauptsächlich in Europa und Nordamerika verzehrt, ein großer Zukunftsmarkt liegt in Asien, so steigt etwa der Konsum in Indien oder China stetig an. In den Ursprungsländern der Kakaobohne wird die »Götterspeise« dagegen so gut wie gar nicht gegessen. Die meisten Kakaobauern etwa haben leider noch nie auch nur ein Stück Schokolade probiert.


Ihr Weisse Schokolade Team

 
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